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2. Oktober 2015

„Vom Traum zur Realität! Kurzgeschichten aus dem Leben der Neuzuwanderer“

Volles Haus: Film über Neuzuwanderer bietet Anlass, um miteinander ins Gespräch zu kommen

Der Planerladen e.V. hatte am 28. September zu einem Film- und Diskussionsabend ins sweetSixteen-Kino geladen, und gekommen waren rund 150 Gäste. Und zwar nicht nur viele aus dem Bildungsbürgertum, die häufig solche Diskussionen besuchen, sondern Menschen aus allen Schichten und Milieus. Darunter waren auch viele rumänische und bulgarische Zuwanderer. Von diesen nämlich handelt der Film „Vom Traum zur Realität! – Kurzgeschichten aus dem Leben der Neuzuwanderer“ des Kameramanns Abbas Doğan. Gespannt verfolgten die Zuschauerinnen und Zuschauer - unter ihnen auch ein Dutzend Neuzuwanderer-Kinder - zunächst, wie sich die Schicksale der Zugewanderten abzeichneten, welche Sorgen und welche Hoffnungen sie in die Dortmunder Nordstadt geführt hatten.

Im Anschluss an die Filmvorstellung gab es zunächst eine furiose musikalische Live-Einlage jener bulgarischen Straßenmusiker Hasan und Mehmet, die auch im Film ihren Auftritt hatten. Schnell wich die nachdenkliche Stimmung und die Lebensfreude der tanzenden Menschen und klatschenden Kinder erfüllte den Saal.

Die anschließende hochkarätig besetzte Diskussionsrunde, moderiert von Bastian Pütter (bodo e.V.), versuchte dann auch die Eindrücke in gezielte Forderungen und Programmatiken umzusetzen. Rainer Stücker vom Mieterverein verwies eindringlich auf die immer noch bestehenden und angesichts der Flüchtlingskrise immer dringlicheren Probleme der Wohnungsnot. Auch müssten Projekte wie das Planerladen-Projekt IRON, die sich um diese Personengruppe kümmern, eine verlässliche strukturelle Förderung erhalten. Es sei unabdingbar den betroffenen Menschen weiterhin zu helfen u.a. den Weg zum Mieterverein und ihren Rechten zu finden, um den Machenschaften krimineller Eigentümer Einhalt zu bieten. Jutta Reiter vom DGB verwies mit Blick auf die vielen um ihren Arbeitslohn geprellten Menschen im Film auf die Möglichkeit, sich an die bestehenden Hilfsangebote des DGB zu wenden. Auch hinsichtlich eines Beitrags aus dem Publikum, dass bei Unfällen auf dem Arbeitsplatz bei Beschäftigung ohne Sozialversicherung keiner bezahle, konnte sie Klarheit schaffen: Der Arbeitgeber sei hier stets in der Pflicht. Merfin Demir von Terno Drom e.V. warf insbesondere noch die Frage auf, wie die Menschen trotz ihrer Integrationsbemühungen ihre Kultur und Identität bewahren können und machte deutlich, dass die Selbstorganisation sehr wichtig, aber auch ein langer Prozess ist, was gutes Coaching und längerer Begleitung durch engagierte und empathiefähige Profis bedarf.

Tülin Kabis-Staubach vom Planerladen e.V. erklärte, dass das dreijährige IRON-Projekt nun im September zu Ende gehe, aber weitere Projekte beantragt wurden und notleidende Menschen vom Planerladen nicht abgewiesen würden. Und Katya Hristeva von der Dortmunder Selbstorganisation der Neuzuwanderer SFN e.V. (Solidaritäts- und Freundschaftsverein der Neuzuwanderer) unterstrich, dass vor allem noch viel Unterstützung nötig sei, um den Menschen eine Orientierung und ein normales Leben zu ermöglichen.
Die Diskussion mit dem Publikum verlief zweisprachig, sogar zeitweise in vier Sprachen (deutsch, türkisch, rumänisch und romanes), dafür aber erstaunlich diszipliniert, sehr konzentriert und sachlich.

Hintergrund:
Der Film „Vom Traum zur Realität! Kurzgeschichten aus dem Leben der Neuzuwanderer“ entstand im Rahmen des Planerladen-Projektes IRON (Integration von Roma in der Dortmunder Nordstadt) zusammen mit hier lebenden Neuzugewanderten und in Kooperation mit dem sweetSixteen-Kino. Autor, Regisseur und Kameramann ist Abbas Doğan. Filmmusik: Ederlezi, ein Roma-Volkslied. Eine Produktion von Hayat TV.
Das Projekt IRON wurde gefördert durch Mittel des Bundesministeriums des Innern (BMI).