1. Info
  2. Aktuell
  3. Standpunkte
  4. Konfliktmanagement
  5. Materialien
  6. Stiftung
  7. Links
  8. Suche
  1. News
  2. Archiv
  3. Aktionen
  4. Newsletter

Aktuell:

Aktuell  News  Detail
29. August 2012

Bürgerforum „Wir sind Dortmund. Nazis sind es nicht.“

Zahlreiche Dortmunderinnen und Dortmunder nahmen am Bürgerforum am 22. August teil und diskutierten über den Rechtsextremismus in ihrer Stadt. Polizeipräsident und Sonderbeauftragter der Stadt Dortmund standen dem Publikum Rede und Antwort.

In seiner Begrüßung machte Prof. Dr. Reiner Staubach vom Vorstand des Planerladen e.V. auf die fast schon symbolhafte Nachbarschaft des Veranstaltungsortes zur Mahn- und Gedenkstätte Alte Steinwache, dem ehemaligen Gestapo-Gefängnis mit der ständigen Ausstellung „Widerstand und Verfolgung“, aufmerksam. Auch hob er hervor, dass dieser gleichsam im Eingangsbereich zur Dortmunder Nordstadt liegt, jenem Integrationsstadtteil, in dem die Anerkennung von Vielfalt, Toleranz und Offenheit in gegenseitigem Respekt statt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit als Gegenentwurf zu rechtsextremistischen Ideologien bereits gelebt werde.

Die Veranstalter Planerladen e.V., DGB Dortmund-Hellwig und Auslandsgesellschaft NRW e.V. hatte den Polizeipräsidenten Norbert Wesseler und den Sonderbeauftragten für den Aktionsplan „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ Hartmut Anders-Hoepgen zum Bürgerforum eingeladen. Anlass war insbesondere der angekündigte Aufzug der Autonomen Nationalisten am 1. September in Dortmund. Der große Saal der Auslandsgesellschaft NRW füllte sich mit vielen interessierten Dortmunderinnen und Dortmunder, am Ende waren es über 100 Personen.

Ziel des Bürgerforums, das vom WDR-Journalisten Kay Bandermann moderiert wurde, war es, die Bewohner/innen über die neue Strategie der Polizei gegenüber den Rechten zu informieren und einen Meinungsaustausch zwischen Bewohner/innen, der Stadt Dortmund und der Polizei zu ermöglichen. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, viele Fragen zu stellen.

„Wie viel Intoleranz kann eine Demokratie ertragen?“ und „Kann und darf Faschismus eine Meinung sein?“ Diese zentralen Fragen waren in den vielen Fragen und Wortbeiträgen des Publikums enthalten. Die Stadt Dortmund hat ein Problem, sie ist nämlich Hochburg der Autonomen Nationalisten, und ihre Zivilgesellschaft wehrt sich vehement dagegen. Viele Bündnisse, Vereine und Einzelpersonen engagieren sich gegen Rechts, die Stadt Dortmund unterstützt sie dabei.

In den Wortbeiträgen des Publikums war oftmals Unverständnis herauszuhören, warum Versammlungs- und Meinungsfreiheit auch für menschenverachtende rechte Ideologen gelten sollen. Der rechte Terror wütet auch in Dortmund, ihm fielen bereits mehrere Dortmunder zum Opfer. Einige betonten, dass sie sich verunsichert fühlen und wiesen darauf hin, dass sie sich im Stadtteil Dorstfeld nicht frei bewegen können. Dorstfeld habe sich zur Hochburg der Dortmunder Rechten entwickelt und aus diesem Grund wolle die Antifa dort ihr Camp aufstellen.. Die rechte Gefahr sollte nicht verharmlost werden. Aber andererseits, so Hartmut Anders-Hoepgen, dürfe ein Stadtteil, gar eine ganze Stadt auch nicht stigmatisiert werden.

Die Autonomen Nationalisten planen auf Hochtouren ihre nächste Demo-Aktion als eine Art Event, der für sie „Identitätsstiftend“ ist. Die Dortmunder Zivilgesellschaft versucht mit vielen Aktionen mit sehr unterschiedlichen Formaten zu verhindern, dass der Antikriegstag weiterhin von den Rechtsextremen für ihre Ideologie vereinnahmt und missbraucht wird. Erwähnenswert ist z.B. das Friedensfestival vom 27.08. – 01.09. am Katharinentor, das vom DGB initiiert wurde und von vielen Vereinen und Trägern unterstützt wird.

Ihre braune Ideologie skandierten die Autonomen Nationalisten in den letzten Jahren in der Nordstadt. In diesem Jahr wollen sie sich in Hörde versammeln. Die neue Polizeitaktik, die der Polizeipräsident Norbert Wesseler ansprach, sieht u.a. vor, dass es keinen hermetisch abgeriegelten Stadtteil geben soll und Gegendemonstranten in Hör- und Sichtweise protestieren dürfen.

Aber inwiefern ist die Zivilgesellschaft breit aufgestellt, wie sehr stellt sie sich gegen die rechte Ideologie? Diese Frage wurde auch in der Veranstaltung diskutiert. Rassismus ist leider nicht nur ein Randphänomen, sondern auch ein Problem aus der Mitte der Gesellschaft.