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6. Juni 2012

„Kriegerin“ – Filmvorführung & Diskussion

Über 80 Gäste kamen am Abend des 4.6.2012 zum Film „Kriegerin“ sowie zur anschließenden Diskussion über Rechtsextremismus ins Roxy Kino.

Mit den alljährlichen Demonstrationen von Neonazis sowie der Aufdeckung der Morde der „Zwickauer Zelle“, erlangte das Thema Rechtsextremismus in jüngster Zeit einen neuen traurigen Höhepunkt in Öffentlichkeit und Politik.  Und genau in dieser Zeit erscheint David Wnendts Film „Kriegerin“, der einen tiefen Einblick in diese Szene vermittelt indem er schildert, wie zwei junge Mädchen in die rechte Szene abrutschen und später darum kämpfen, sich aus dieser wieder zu lösen.

Der Planerladen e.V. und das Roxy Kino wollten die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, noch einmal die Aufmerksamkeit auf die preisgekrönte filmische Erzählung zu richten und den Bogen nach Dortmund bis in die Nordstadt hinein zu spannen. Die jährliche Aufmarsch-Route zum 1. September sowie der Tatort des Mordes an Mehmet Kubaşık liegen wenige hundert Meter vom Kino entfernt. Und im Spannungsfeld dieser erschreckenden Aktualität begrüßte der Moderator des Abends, Herr Gerald Baars (Studioleiter WDR Dortmund), gegen 17:00 Uhr die rund 85 Gäste. Der intensive und stellenweise verstörende und aufwühlende Film diente als Anregung für die weitere Auseinandersetzung und die anschließende Diskussion.

Nach einer kurzen Pause von den Eindrücken des Films wurde gegen 19:10 Uhr die Podiumsdiskussion eröffnet. Podiumsteilnehmer waren Claudia Luzar von BACK UP (Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt), Hartmut Anders-Hoepgen, Sonderbeauftragter der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie der Stadt Dortmund und Anna Spaenhoff, Studentin und aktive Bürgerin u.a. bei Dortmund Nazifrei!.

Es wurde festgestellt, dass der Film zwar durchaus teilweise stark zuspitze und Klischees bediene, jedoch grundsätzlich Phänomene und Mechanismen darstelle, die real vorhanden sind.
Der „Nährboden“ für rassistisches Gedankengut zeige sich jedoch nicht immer so deutlich, wie im Film. Die Übergänge zur Mehrheitsgesellschaft, in der immer noch klassische Vorurteile etwa über Migranten gepflegt und verbreitet würden, seien fließend. Kritisiert wurde das Fehlen von Protest gegen rechte Gewalt durch eine aktive Zivilgesellschaft; diese fehle – obwohl vorhanden – im Film völlig. Es könne nicht hingenommen werden, dass die Erzeugung von Angst durch Neonazis jede Form von Zivilcourage ersticke.

Eindringlich wurde dazu aufgefordert, den friedlichen Protest insbesondere gegen Aufmärsche in Dortmund bzw. der Nordstadt weiter fortzusetzen. Notwendig sei hierbei eine Geschlossenheit der in großer Zahl vorhandenen Initiativen und Einrichtungen sowie unbedingte Rückendeckung von Verwaltung, Justiz, Polizei und Politik. In diesem Zusammenhang wurde auch auf das langjährige Fehlen von landesseitigen Programmen gegen Rechtsextremismus aufmerksam gemacht und deutlich gemacht, dass die Medien konsequent über Rechtsextremismus berichten müssen. Die Strategie, der Szene möglichst wenig Aufmerksamkeit zu widmen, sei nicht der richtige Weg. Stattdessen müsse konsequent sensibilisiert werden.

Unmissverständlich deutlich wurde auch der Zusammenhang zur Fremdenfeindlichkeit, die teilweise aus der Mitte der Gesellschaft heraus durch systematische Tabubrüche den Boden bereiten für die Ausbreitung rechtsextremistischer Tendenzen. Wichtige Beiträge zu ihrer Bekämpfung stellen deshalb nicht zuletzt Initiativen gegen Diskriminierung sowie zur interkulturellen Öffnung der Stadtgesellschaft dar.

Insbesondere vor dem Hintergrund der auch 2012 zu erwartenden Aktivitäten der rechten Szene am ersten Septemberwochenende hat die Veranstaltung so als Mosaikbaustein einen weiteren Beitrag zur kontinuierlichen öffentlichen Diskussion über das Thema Rechtsextremismus geleistet.