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11. Juli 2011

Schluss mit Ungleichbehandlung auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt! Gleiche Chancen für alle!

Die ITW GmbH ist der erste vom Integrationsrat der Stadt Dortmund und dem Planerladen e.V. – unterstützt durch den Mieterverein Dortmund – mit dem Siegel „Herkunftsunabhängige Gleichbehandlung bei Vermietung“ ausgezeichnete Vermieter.

Ungleichbehandlungen auf dem Wohnungsmarkt

Eigentlich sollte Gleichbehandlung auf dem Wohnungsmarkt unabhängig von der Herkunft und Hautfarbe eine Selbstverständlichkeit sein. Leider gilt dies nicht für alle Vermieter. Das 2006 in Kraft getretene AGG hat zwar eine latente Drohkulisse aufgebaut, aber es gilt für Privateigentümer nur eingeschränkt. Denn es bietet Privateigentümern mit weniger als 50 Wohnungen Spielräume und Schlupflöcher. Gerade bei diesen ist aber Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit noch weiter verbreitet als bei Wohnungsgesellschaften. Die weiterhin gegebene Aktualität des Themas zeigen auch jüngste Studien: Migranten sind immer wieder unbegründeter oder auf Vorurteilen basierender Ablehnung von Seiten eines Teils der deutschen Bevölkerung ausgesetzt. Sie stoßen dabei nicht selten auf subtile, mitunter aber auch auf offene Diskriminierungen. Der Planerladen e.V. erfährt immer wieder aus den Schilderungen von Migranten, dass sie es bei der Wohnungssuche schwerer haben als die Einheimischen. Signifikante Ungleichbehandlungen werden auch durch die vom Planerladen e.V. durchgeführten Testings mit merkmalsgleichen Paaren mit und ohne Migrationshintergrund belegt: 42% der Internet-Immobilien-Börsen-Anbieter beim Online-Testing und 19% der Wohnungsanbieter beim telefonischen Testing entschieden zum Nachteil des Testers mit türkischem Namen. Eine Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zeigt zwar auf, dass es in Bezug auf die Wohnungsausstattung heute keine großen Unterschiede mehr gibt – die Realität der Migrantenhaushalte sieht jedoch anders aus: Weniger Eigentumsbildung, beengteres Wohnen, höhere Miete für die gleiche oder geringere Qualität und ein höherer Anteil Migranten bei Sozialwohnungen oder in stigmatisierten Wohnstandorten. Diese Segregation ist nicht den freien Entscheidungen der Zuwanderer, sondern denen der Mehrheitsgesellschaft geschuldet. Die Angleichung der Wohnbedingungen als Ziel der Integration im Wohnbereich ist längst noch nicht erreicht. Dabei ist ein offener Wohnungsmarkt einhergehend mit Chancengleichheit eine der grundlegenden Voraussetzungen für eine gelingende Integration. Es ist höchste Zeit, dass hier ein Umdenken stattfindet: Gleichbehandlung von Zuwanderern muss oberstes Gebot sein!

ITW GmbH als Vorbild

Zu den positiven Beispielen gehören die Privateigentümer Helga und Werner Hüßler von der ITW GmbH. Sie haben sich den Leitsatz der herkunftsunabhängigen Gleichbehandlung bei der Vermietung ihrer Immobilien groß auf die Fahnen geschrieben und den Gedanken der Antidiskriminierung und der Gestaltung von Vielfalt schon lange in ihr Unternehmensleitbild aufgenommen. Daher haben der Integrationsrat der Stadt Dortmund gemeinsam mit dem Planerladen e.V., unterstützt durch den Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V., sich dazu entschlossen, die ITW GmbH als erstes Unternehmen mit ihrem Siegel im Rahmen der Kampagne „Herkunftsunabhängige Gleichbehandlung bei Vermietung“ – ganz im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) – auszuzeichnen.
Bunt gemischte Hausgemeinschaften sind Helga und Werner Hüßler sehr vertraut. Die ITW GmbH besitzt und verwaltet rund 20 Mehrfamilienhäuser in der Dortmunder Nordstadt, weitere kommen in anderen Stadtbezirken und im Ruhrgebiet dazu. „Wenn wir eine Wohnung neu vermieten, dann schauen wir nicht nach der Nationalität oder der ethnischen Herkunft des Mietinteressenten. Uns interessieren viel mehr Aspekte der Wirtschaftlichkeit – die Miete muss aufzubringen sein – und, ob der- oder diejenige in die bestehende Hausgemeinschaft passt“, so Hüßler. Seine Mieter kommen aus verschiedensten Nationen, darunter Menschen aus der Türkei, Afrika, Sri Lanka, Tunesien, China, Vietnam, Marokko, Griechenland, Italien etc. „Wir haben auch Deutsche unter unseren Mietern“, sagt Hüßler mit einem Schmunzeln und fügt hinzu: „Mit und ohne Migrationshintergrund.“

Siegel für herkunftsunabhängige Gleichbehandlung bei Vermietung von Wohnraum

Getreu dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“ appelliert der Integrationsrat der Stadt Dortmund nun gemeinsam mit dem Planerladen e.V. und dem Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V. an die Vermieter von Wohnraum: Jeder sollte sich hier angesprochen fühlen und dem Beispiel der ITW GmbH folgen, die als Vorbild für Privateigentümer zeigt, dass sie offen gegenüber allen Ethnien ist. „Wir sind auf der Suche nach weiteren positiven Beispielen. Schließen Sie sich als Vermieter dem Appell an, setzen Sie ein öffentliches Zeichen gegen Ungleichbehandlung auf dem Wohnungsmarkt und distanzieren Sie sich von diskriminierenden Verhaltensweisen!“ ruft Adem Sönmez, Vorsitzender des Integrationsrates, auf. Jene Vermieter, die den Grundsatz der „herkunftsunabhängigen Gleichbehandlung bei Vermietung“ mit in ihr Unternehmensleitbild aufnehmen, erhalten das Siegel mit dem Logo der Aktion „Herkunftsunabhängige Gleichbehandlung bei Vermietung“ und werden zusätzlich auf der Internetplattform „Integration im Wohnbereich“ des Planerladen e.V. aufgeführt. „So können die Vermieter öffentlich – mit dem Logo der Kampagne – allen ein Signal des Willkommens aussenden. „Dadurch soll bei möglichst vielen Eigentümern und Wohnungsunternehmen ein vorurteilsfreier Umgang beim Vermietungsgeschäft erreicht werden“, erklärt Tülin Kabis-Staubach vom Planerladen e.V. Rainer Stücker vom Mieterverein hofft, dass viele weitere Positivbeispiele folgen und Dortmunder Eigentümer und Wohnungsunternehmen als Vorreiter in diesem Feld für NRW und bundesweit ein Zeichen setzen.
Durch die Teilnahme an der Kampagne verpflichten sich die Vermieter selbst zu einem diskriminierungsfreien Umgang mit ihren Mietern; der Planerladen e.V. wird dies unangekündigt mit der bewährten Methode des verdeckten Testings überprüfen. Im Falle von negativen Testergebnissen wird der Planerladen e.V. mit dem Vermieter kommunizieren, die Situation mit ihm gemeinsam analysieren und nach Lösungen in Unternehmensstrukturen suchen. So können auch die Vermieter, v.a. Unternehmen mit großen Wohnungsbeständen, davon profitieren.
„Wir sind seit 15 Jahren im Geschäft und sind sehr zufrieden mit unserer bunt gemischten Mieterklientel“, resümiert Hüßler. Daher steht er voll und ganz hinter der Initiative und ruft andere Eigentümer zum Mitmachen und gezieltem Vorgehen gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung auf.