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27. Mai 2011

Über die Lebenssituation der Roma diskutiert - Planerladen informiert Bürger/innen im Nachbarschaftsforum

In der Dortmunder Nordstadt sorgen die Roma aus Bulgarien und Rumänien mit ihrer Anwesenheit seit Monaten für großen Gesprächsstoff in der Lokalpolitik und unter der Bevölkerung.

Die Berichterstattung über diese Gruppe erfolgt oftmals in Verbindung mit Kriminalität, illegaler Prostitution und Problemhäusern. Um pauschalen Vorurteilen und Stereotypen entgegen zu treten, lud der Planerladen e.V. zum Auftakt einer Veranstaltungsreihe die Bewohner/innen zum Nachbarschafsforum in das Stadtteilbüro der Integrationsagentur mit dem Thema „Dortmund - Plowdiw: Über die Lebenssituation der Roma in Bulgarien und Deutschland“ ein. Als Referent/innen waren Herr Heuss vom Zentralrat der Sinti und Roma sowie zwei Dortmunder Journalisten eingeladen. Während Frau Kolle und Herr Bandermann von einer Reise im vergangenen Jahr nach Stolipinovo in Bulgarien berichten konnten, hat Herr Heuss lange Jahre selbst in dem Land gearbeitet.

Herr Heuss klärte auf, dass die Sinti eine Untergruppe der europäischen Roma sind. „In Deutschland leben die Sinti, derzeit ca. 80 000, seit Jahrhunderten“ so Heuss. Die Roma aus Bulgarien oder Rumänien, die nach Dortmund zugezogen sind, kommen aus sehr heruntergekommenen benachteiligten Elendsvierteln. Die meisten gehören bildungsfernen Schichten an.

Frau Kolle und Herr Bandermann zeigten Bilder aus Stolipinovo, die gut belegten, in welch unhygienischen und menschenunwürdigen Zuständen die Roma leben. Die bulgarische Lokalbehörde vernachlässigt hier ihre grundlegenden kommunalen Aufgaben wie Straßenreinigung oder Müllentsorgung. „Der Zuzug der Roma in die Nordstadt ist zugleich eine Flucht aus dem Elend und geht nicht konfliktfrei vonstatten“, so Bandermann. Das Zusammenleben wäre dadurch angespannter denn je, stellte Herr Bandermann fest. Die Roma leben in der Nordstadt häufig in den so genannten Problemhäusern, die seit mehreren Jahren von den Eigentümern nicht mehr instand gesetzt wurden und leer standen. Einige von denen wurden in den vergangenen Wochen vom Ordnungsamt zwangsgeräumt.

In der anschließenden Diskussion wurde darüber diskutiert, ob mit dem Zuzug der Roma die Kriminalität gestiegen sei. Einige Bewohner/innen warnten vor latentem Rassismus und der leichtfertigen Zuordnung der Nationalität zu bestimmten Problemen. „Kriminalität, Prostitution und Vermüllung gab es in der Nordstadt auch schon vor dem Zuzug der Roma“ so eine Anwohnerin, „wir haben es hier mit einem sozialen Problem zu tun und nicht mit einem ethnischen!“

Herr Heuss bemerkte, dass nicht alle Roma aus Bulgarien oder Rumänien in Armut leben würden. Roma-Sein könne und dürfe nicht umstandslos mit Problemen gleichgesetzt werden. Über Skandalisierungen könne nichts erreicht werden außer Vorurteile zu schüren und Diskriminierung hervorzurufen. Wichtig sei, dass die Verantwortlichen mit den Roma selbst ins Gespräch kommen müssen. „Die Behörden haben viel zu spät reagiert“, so Bandermann. Frau Kolle fügte hinzu, dass zugleich die Eigentümer mehr in Verantwortung gezogen werden müssten.  Die Armut müsse vor Ort bekämpft werden, damit die Lebenssituation der Roma verbessert werden könne. Es gebe Roma-Initiativen, die sich engagierten, aber stärker von den Behörden unterstützt werden müssen. Hilfsgelder der EU kämen nur selten tatsächlich bei den Betroffenen an.

Der Planerladen plant weitere Veranstaltungen zu diesem Thema. Mit der Banner-Aktion „Blickwechsel“ entlang der Mallinckrodtstraße ruft der Planerladen e.V. zum Kampf gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit auf. Viele Probleme in der Nordstadt sind hausgemacht und bestehen bereits seit Jahren und nicht erst seit dem Zuzug der Roma. Es handelt sich hier um Menschen, die aus dem Elend in ihren Heimatländern nach Deutschland – einem von den reichsten Ländern in Europa – flüchten. Zielführende und passgenaue Konzepte und Angebote seitens der Stadt, ARGE und Wohlfahrtsverbände für Zuwanderer und Roma aus Osteuropa müssen her, statt denen mit Rassismus und Diskriminierung zu begegnen und diese unter Einsatz von Muskelmännern zu verjagen.