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29. November 2010

Ergebnisse der 10. Mehrthemenbefragung des Zentrums für Türkeistudien

Die Stiftung Zentrum für Türkeistudien hat die Ergebnisse der zehnten Mehrthemenbefragung türkeistämmiger Migranten in NRW veröffentlicht. Mit der Mehrthemenbefragung können Aussagen über das subjektive Empfinden und das Stimmungsbild der türkeistämmigen Migranten getroffen werden.

Im Vergleich zu den vorangegangenen Erhebungen sind im Zeitvergleich der letzten Dekade nur relativ geringe Veränderungen zu verzeichnen. Das lässt bzgl. des Integrationsprozesses schließen, dass weiterhin nur sehr langsame Fortschritte auszumachen sind – in den einzelnen Lebensbereichen kann es jedoch zu Ausreißern kommen; gerade in den Bereichen Identifikation und Interaktion können größere Erfolge verbucht werden. Anzeichen für eine Zunahme von Parallelgesellschaften oder steigende Segregation gibt es nicht (86% der Befragten werden als nicht segregiert eingestuft). Der Anteil der Migranten, die konkrete Bleibeabsichten haben, liegt inzwischen über 50%. Zwischen den Generationen sind offensichtliche Unterschiede bzgl. der Integration festzustellen: Im Vergleich zur ersten Generation (nur noch rd. 20% der erwachsenen Türkeistämmigen) ist die Nachfolgegeneration (ca. 50%)  weitaus besser integriert.

Ergebnisse der Studie für den Bereich Wohnen:

  • wohnräumliche Segregation: hier ist kein eindeutiger Trend festzustellen in Richtung Konzentration bzw. Entflechtung; knapp ein Fünftel der Befragten leben in überwiegend türkisch geprägten und damit ethnisch verdichteten Stadtteilen, wobei die Koloniebildung nicht immer selbst gewählt scheint; rund drei Viertel der Türkeistämmigen leben nicht segregiert
  • ethnische Zusammensetzung der Wohngegend: überwiegend Deutsche: 56,5 % (2008: 57,5%), Deutsche und Türken gleichermaßen: 19,8% (2008: 17,4%), überwiegend Türken: 18,4% (2008: 19,4%), überwiegend andere Zuwanderer: unverändert 5%  (-> Grafik „Ethnische Zusammensetzung der Wohngegend 1999 bis 2009“)
  • Zufriedenheit mit den Wohnverhältnissen: Befragte, die in deutschgeprägten Vierteln wohnen, sind zufriedener und verfügen häufiger über Wohneigentum; hinzu kommt, dass ethnische Kolonien häufig in von niedriger Wohnqualität gekennzeichneten Stadtteilen liegen; jedoch sind diese zufriedener als solche in gemischten Quartieren; je nach ethnischer Zusammensetzung des Quartiers unterscheidet sich auch die Wohnsituation der Befragten, dies kann auch die Zufriedenheit mit den Wohnverhältnissen beeinflussen. In türkischen Kolonien ist der Anteil an Miethaushalten wesentlich höher als in von Deutschen dominierten Quartieren; dort steiget auch der Eigentumsanteil unter den Befragten. (-> Grafik „Ethnische Zusammensetzung der Wohngegend nach Wohnsituation“)
  • Diskriminierungserfahrungen: Ungleichbehandlungen bei der Wohnungssuche kommen am dritthäufigsten vor; sie erfolgen auf sehr hohem Niveau, eine leichte Abnahme ist jedoch erkennbar, (39% (2008: 42%)); v.a. Befragte der Altersgruppe 30-44 Jahre nehmen vermehrt Ungleichbehandlung wahr; rund ein Viertel gibt an, in der Nachbarschaft Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben (-> Grafik „Diskriminierungserfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen“ / -> Grafik „ Diskriminierungswahrnehmung 1999 bis 2009“)
  • Wohnsituation: Mietwohnung: 52% (2008: 60%), Miete im EFH: 11% (5%), Eigenheim: 22% (20%), Eigentumswohnung: 15% (15%) – somit verfügen 37% der türkischen Familien über Wohneigentum (D: 52%, Mikrozensus 2006)
  • ein weiterhin zwar nur leicht, aber stetig zunehmender Anteil an Wohneigentum (2009: 37%, 1999: 14%) zeigt eine zunehmende Orientierung auf Deutschland als dauerhafte Heimat; der Anteil der Kaufwilligen, der seit 2002 (51% der zur Miete Wohnenden) kontinuierlich und deutlich gesunken ist, ist nun zum ersten mal wieder leicht angestiegen auf 37% (-> Grafik „Wohnsituation 1999 bis 2009“)
  • Der Lebensstandard der türkischen Familien ist deutschlandweit etwas höher als in NRW – vermutlich als Folge der höheren Erwerbstätigenquote v.a. der Frauen.
  • nach steigender Zufriedenheit mit verschiedenen Lebensbedingungen im Jahr 2008 sind die Werte nun wieder ruckläufig: Wohnen (76 %, -4%) und soziales Umfeld (73%, -3%) werden im Gegensatz zu Berufschancen (65%, -38%) und Ausbildungsangeboten (52%, -3%) als zufriedenstellender eingeschätzt (-> Grafik „Zufriedenheit mit verschiedenen Lebensbedingungen 1999 bis 2009“)

Ein Download der Studie steht auf der Website der Stiftung Zentrum für Türkeistudien zur Verfügung.