1. Info
  2. Aktuell
  3. Standpunkte
  4. Konfliktmanagement
  5. Materialien
  6. Stiftung
  7. Links
  8. Suche
  1. News
  2. Archiv
  3. Aktionen
  4. Newsletter

Aktuell:

Aktuell  News  Detail
12. Januar 2010

Laut einer Meinungsumfrage der Europäischen Kommission macht jeder 6. Europäer Diskriminierungserfahrungen

In dem im November 2009 veröffentlichten Eurobarometer Spezial 317 der Europäischen Kommission wurde wieder die Lage der Diskriminierung in der EU in Augenschein genommen: Die am meisten verbreitete Form stellt in Deutschland mit 54% (EU27: 61%) die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft dar, gefolgt von Alter (48%, EU27: 58%) und Behinderung (43%, EU27: 53%).

In der öffentlichen Meinung hat sich in der Wahrnehmung der Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft kaum eine Veränderung seit 2008 ergeben (EU27: +1%); jedoch hat es  einen Anstieg bei der Diskriminierung aufgrund des Alters (EU27: +16%) und von Behinderung (EU27: +8%) gegeben (-> zur Grafik).
3% der Befragten haben in den vergangenen 12 Monaten Diskriminierung aufgrund ihrer ethnischen Herkunft erfahren (2008 waren es 2%). Damit liegt das Diskriminierungsmerkmal der ethnischen Herkunft auf Rang 3 hinter Alter (6%) und Geschlecht (3%). Wird die Gruppe der Befragten zugrunde gelegt, die sich zu einer ethnischen Minderheit zählen, so gaben ein Viertel der Europäer an, aufgrund der Herkunft diskriminiert worden zu sein (-> zur Grafik).

Bekämpfung von Diskriminierung

58% der Deutschen gehen davon aus, dass genügend Anstrengungen zur Bekämpfung von Diskriminierung unternommen werden (EU27: 49%, -> zur Grafik); das entspricht einem Anstieg von 5% seit 2008. Nur 4% haben dazu keine Meinung; das spricht für einen hohen Grad der Sensibilisierung für das Thema Diskriminierung in der Bevölkerung.

Kenntnisse der Gesetzeslage

Ähnlich wie im Vorjahr kennt nur ein Drittel aller Bürger in der EU die eigenen Rechte (EU27: 33%); in Deutschland ist die Situation noch dramatischer: Hier ist nur ein Viertel informiert (D: 26%, -> zur Grafik). Mehr als die Hälfte kennt sich mit der Gesetzeslage nicht aus (EU27: 52%, D: 51%, -> zur Grafik). Auch Menschen, die einer Minderheit angehören oder bereits Diskriminierung erfahren haben, kennen ihre Rechte nur geringfügig besser. Daraus folgt, dass diese Zielgruppe der Gefährdeten dringend stärker aufgeklärt werden muss!

Bevorzugte Anlaufstellen im Falle von Belästigung oder Diskriminierung
In Deutschland wird am häufigsten ein Anwalt kontaktiert (D: 65%, EU27: 51%), gefolgt von der Polizei (D: 47%, EU27: 55%) und Organisationen, die sich um Fragen der Gleichstellung kümmern (D: 44%, EU27: 35%). Hier lassen sich deutliche Unterschiede zum EU-Durchschnitt ablesen (-> zur Grafik).


Schlussfolgerungen

  1. Ähnlich wie im Jahr 2008 geben 16% der Europäer an, im Jahr 2009 persönlich diskriminiert worden zu sein.
  2. Seit 2008 hat die Wahrnehmung von Diskriminierung aufgrund des Alters und aufgrund von Behinderung deutlich zugenommen.
  3. Durch den Beginn der Wirtschaftskrise ist das Vertrauen gesunken, dass die europäischen Regierungen Diskriminierungsprobleme weiterhin mit der gleichen Menge an Fördermitteln und der gleichen Entschiedenheit angehen.
  4. Ein vielfältiges soziales Umfeld bleibt der wichtigste bestimmende Faktor für ein hohes Maß an Sensibilität gegenüber Diskriminierung und für die Akzeptanz von Minderheiten.
  5. Die Vielfalt wird von den Medien nicht in genügendem Maße wiedergegeben, insbesondere wenn es um Menschen mit Behinderung geht.
  6. Nur einer von drei europäischen Bürgern ist sich für den Fall, dass er Opfer von Diskriminierung oder Belästigung würde, seiner Rechte bewusst. Dieser Wert verbirgt jedoch deutliche Unterschiede innerhalb der EU.
  7. Die Mehrheit der Bürger würde Fälle von Diskriminierung bei der Polizei melden. Das Vertrauen in andere wichtige Institutionen, denen Fälle von Diskriminierung angezeigt werden können, wie beispielsweise Organisationen, die sich um Fragen der Gleichstellung kümmern und die Gewerkschaften, schwankt sehr stark in Abhängigkeit von dem Land, in dem die Umfrage durchgeführt wird.


Quelle:
Europäische Kommission 2009: Eurobarometer Spezial 317: Diskriminierung in der EU im Jahr 2009; ein Download ist auf der Website der Europäischen Kommission verfügbar