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29. Oktober 2009

Ergebnisse der 9. Mehrthemenbefragung des Zentrums für Türkeistudien

Die Stiftung Zentrum für Türkeistudien hat die Ergebnisse der neunten Mehrthemenbefragung türkeistämmiger Migranten in NRW veröffentlicht. Zeitgleich erfolgte 2008 in den anderen 15 Bundesländern eine repräsentative Befragung nach gleichem Muster, so dass die NRW-Werte erstmals mit Ergebnissen auf Bundesebene verglichen werden können. Mit der Mehrthemenbefragung können Aussagen über das subjektive Empfinden und das Stimmungsbild der türkeistämmigen Migranten getroffen werden.

Im Vergleich zu den vorangegangenen Erhebungen sind im Zeitvergleich 1999 bis 2008 nur relativ geringe Veränderungen zu verzeichnen. Das lässt bzgl. des Integrationsprozesses schließen, dass in der vergangenen Dekade nur sehr langsame Fortschritte auszumachen sind. Jedoch unterstützen die Ergebnisse der Studie nicht die These der Zunahme von Parallelgesellschaften oder steigender Segregation. Zwischen den Generationen sind offensichtliche Unterschiede bzgl. der Integration festzustellen: Im Vergleich zur ersten Generation (nur noch rd. 20% der erwachsenen Türkeistämmigen) ist die Nachfolgegeneration (ca. 50%)  weitaus besser integriert.

Ergebnisse der Studie für den Bereich Wohnen:

  • Wohnräumliche Segregation: hier gibt es keine eindeutige Tendenz und nur geringe Veränderungen; knapp ein Fünftel leben in verdichteten Stadtteilen, wobei die Koloniebildung nicht immer selbst gewählt scheint; jedoch ist kein Trend zur Parallelgesellschaft ablesbar, 86% der Türkeistämmigen in NRW (D: 87%) leben nicht segregiert
  • Ethnische Zusammensetzung der Wohngegend: überwiegend Deutsche: 57,5% (D: 61%), Deutsche und Türken gleichermaßen: 17,5% (D: 16,5%), überwiegend Türken: 19,5% (D: 16%), überwiegend andere Zuwanderer: 5% (D: 6%)
  • Zufriedenheit mit den Wohnverhältnissen: Befragte, die in deutschgeprägten Vierteln wohnen, sind zufriedener und verfügen häufiger über Wohneigentum, was vermuten lässt, dass es sich bei der Wahl für eine türkischgeprägte Wohngegend nicht immer um freiwillige Segregation handelt; hinzu kommt, dass ethnische Kolonien häufig in von niedriger Wohnqualität gekennzeichneten Stadtteilen liegen; jedoch sind diese zufriedener als solche in gemischten Quartieren
  • Diskriminierungserfahrungen erfolgen nach wie vor auf sehr hohem Niveau, jedoch leichte Abnahme erkennbar; bei der Wohnungssuche haben 42% (D: 44%) Ungleichbehandlungen erfahren; v.a. junge Migranten nehmen vermehrt Ungleichbehandlung wahr
  • Wohnsituation: Mietwohnung: 60% (D: 54%), Eigenheim: 20% (D: 25%), Eigentumswohnung: 15% (D: 14%), Miete im EFH: 5% (D: 7%)
  • Ein zunehmender Anteil an Wohneigentum (NRW: 35%, D: 38% - 1999 in NRW: 14%) zeigt eine zunehmende Orientierung auf Deutschland als dauerhafte Heimat; jedoch ist der Anteil der Kaufwilligen seit 2002 kontinuierlich und deutlich gesunken
  • Der Lebensstandard der türkischen Familien ist deutschlandweit etwas höher als in NRW – vermutlich als Folge der höheren Erwerbstätigenquote v.a. der Frauen.
  • Steigende Zufriedenheit mit verschiedenen Lebensbedingungen: Wohnen (80%) und soziales Umfeld (76%) werden im Gegensatz zu Berufschancen (68%) und Ausbildungsangeboten (55%) als zufriedenstellend eingeschätzt

Befragungsergebnisse in NRW und in Deutschland im Vergleich:

Die Studie hat durch den Vergleich aufgezeigt, dass es zwischen den Eigenschaften und Einschätzungen der türkeistämmigen Migranten in NRW und in Deutschland nur wenige Differenzen gibt. Die Unterschiede drücken sich nur in wenigen Prozentpunkten aus.

 

Ein Download der Studie von Dr. Martina Sauer steht auf der Website der Stiftung Zentrum für Türkeistudien zur Verfügung.