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16. Juni 2009

Französisches Gleichstellungs- und Antidiskriminierungskomitee HALDE führt auch Diskriminierungstests im Wohnbereich und auf dem Arbeitsmarkt durch

Untersuchungsgegenstand der Tests von HALDE im Jahr 2006 waren die Diskriminierungspraktiken von Immobilienagenturen beim Zugang zum privaten Mietwohnungsmarkt. Ähnlich dem Testing des Planerladen e.V. wurden verschiedene Testerprofile angelegt; der Untersuchungsansatz war allerdings vielschichtiger angelegt: Neben dem Aspekt der ethnischen Herkunft wurden die Identitäten „Schwarzafrikaner/in“ und „Alleinerziehende/r“ beim Vergleich mit der Bezugsperson einbezogen.

Bei der Evaluierung der Erfolgschancen der verschiedenen Kandidaten, der Wirkungsanalyse anderer Faktoren (Typ der Immobilienagentur, entspannte/angespannte Wohnungsmarktsituation) und der Erfassung der Ablehnungsmotive kam es zu folgenden Ergebnissen:

Bei der telefonischen Anfrage erhielt die Person mit ethnischer Herkunft 42% und der schwarzafrikanische Kandidat sogar 60% weniger Zusagen als die Vergleichsperson. Lediglich die alleinerziehende Person wurde ähnlich häufig die Möglichkeit zu einem Besichtigungstermin gewährt. Die Diskriminierung erfolgte anhand unterschiedlicher Methoden, wie z.B. „Die Wohnung ist bereits vermietet“, obwohl sie bei der Bezugsperson noch verfügbar war oder durch Anfordern von – in keinem Verhältnis stehenden – Sicherheiten sowie durch Übervorteilung der Vergleichsperson.

Die Bilanz nach der Wohnungsbesichtigung fiel noch deutlicher aus: Die Testerprofile erhielten zwischen 65% (Alleinerziehende/r) und 77% (Person mit ethnischer Herkunft) weniger Zusagen als die Vergleichsperson.

Damit sind die Ergebnisse noch alarmierender als die der vom Planerladen durchgeführten Online- und Telefon-Testings, die ebenfalls signifikante Unterschiede in der Behandlung zwischen der deutschen und der türkischen Testeridentität nachgewiesen haben. Jedoch ist bei dem HALDE-Testing auch zu beachten, dass die Grundgesamtheit des Tests, der in drei Regionen (Paris, Nizza, Lille) durchgeführt wurde, mit 126 Annoncen von 120 Agenturen relativ gering war; es erfolgten 100 Besichtigungstermine durch 15 Kandidaten. Der Planerladen führte bei seinem telefonischen Paired Ethnic Testing 482 Anfragen durch.

Bei den Ungleichbehandlungen sind bestimmte Verhalten eindeutig und belegen diskriminierendes Vorgehen.In mehr als einem Drittel der Fälle konnten Ungleichbehandlungen beobachtet werden. Diese Unterschiede sind deutlicher in Paris (44%) als in Nizza (32%) oder Lille (15%) auszumachen.

Außerdem führte HALDE Testings auf dem Arbeitsmarkt (in Bewerbungs-/Einstellungssituationen bei drei großen Unternehmen) durch. Dabei zeigte sich, dass die großen Unternehmen für das Diskriminierungsrisiko sensibilisiert sind und ihnen der Einfluss auf das Firmenimage bewusst ist.

 

Diskriminierungstests werden in Frankreich unter der Schirmherrschaft des „Bureau International du Travail“ bereits seit Anfang der 1990er Jahre durchgeführt. Verbände nutzen die Tests, um gegen Diskriminierung zu kämpfen. In Frankreich sind diese Tests als Beweismittel im Rechtsstreit um Diskriminierung anerkannt.